Herzlich Willkommen am Wieslerhof

Mein Name ist Gerhard Wiesler, ich bin professioneller Bogenbauer aus Puch bei Weiz in der Oststeiermark. Ich veranstalte ganzjährig Bogenbaukurse in meiner Werkstatt auf meinem 200 Jahre alten Bauernhof. Alle Infos zu den Bogenbaukursen findest du hier. Zusätzlich veranstalte ich spezielle Turniere, Infos dazu weiter unten bzw. hier. Und dann gibt es bei mir noch besondere Handwerkskurse neben dem Bogenbau, z.B. Lederbearbeitung für Anfänger.

News:

Ein Kurzfilm zum prähistorischen Fünfkampf:

Turnierbericht zum ersten Prähistorischen Fünfkampf Ende März 2026:

Der prähistorische Fünfkampf simuliert die verschiedenen Stationen einer steinzeitlichen Jagd. Es beginnt mit der Verfolgung des Wildes. Danach wird das Tier gejagt,  mit dem Bogen und der Speerschleuder. Anschließend muss die Beute zurück getragen werden. Und zu guter Letzt wird Feuer gemacht, um den Jagderfolg am heimischen Feuer zu genießen.

 

Damit steht der Rahmen für einen sportlichen Wettkampf, der die Ausdauer, Kraft und Geschicklichkeit der Teilnehmer in einer ausgewogenen Mischung voll fordert.

Der Wieslerhof in Puch bei Weiz am Fuße des Kulms.
Der Wieslerhof in Puch bei Weiz am Fuße des Kulms.

Schauplatz des Wettkampfs am 28. und 29. März 2026 war der Wieslerhof in Puch bei Weiz in der Steiermark. Die Bogenbauwerkstatt des Hausherren und 7 Hektar Grund inklusive privatem Parcours in Wald und Wiese lieferten den perfekten Rahmen für eine gelungene Veranstaltung. Zehn Teilnehmer aus Österreich und Deutschland wagten die Premiere.

Tag 1

Die Teilnehmer nehmen den Berglauf in Angriff
Die Teilnehmer nehmen den Berglauf in Angriff

Bewerb 1 - Der Kulmrun

Der steinzeitliche Jäger war mit Sicherheit ein ausdauernder Läufer. Im ersten Wettkampf war daher ein Lauf mit freier Routenwahl auf meinem Hausberg, den Kulm bei Weiz, gefordert. Start und Ziel war am Wieslerhof, der Kulmgipfel ist 520 Höhenmeter und je nach Routenwahl mindestens 4.3 km entfernt. Manche Teilnehmer hatte durch eine kreative Streckenführung aber deutlich länger zu laufen bzw. zu gehen. Den Gipfel beim Aufstieg ständig vor Augen war die Orientierung in der ersten Hälfte aber prinzipiell einfacher. 

Der schnellste Bergaufläufer hat alle Konkurrenten nach 250 Höhenmetern schon abgehängt.
Der schnellste Bergaufläufer hat alle Konkurrenten nach 250 Höhenmetern schon abgehängt.

Nach dem Umkehrpunkt war der Orientierungssinn bzw. die Merkfähigkeit der Läufer ganz stark gefordert, um den Rückweg zum Wieslerhof zu finden. Das hat nicht jeder geschafft und so waren schnelle Beine kein Garant für eine gute Platzierung. Sich schon beim ersten Bewerb komplett zu verausgaben, erscheint außerdem für das lange Wochenende unklug, geschickt zu taktieren und sich seine Kräfte gut einzuteilen, war auch für einen prähistorischen Jäger überlebensnotwendig.

Die ersten drei nach dem Berglauf:

1. Nicolas Puffer          1:14.30

2. Andreas Diehm       1:15.35

3. Tim Nickel                1:22.03

Der langsamste Geher war knappe drei Stunden unterwegs.

Bewerb 2 - Das Bogenturnier

Fünfzig Ziele, eine Parcoursrunde mit zehn Zielen fünfmal zu umrunden, war danach von den müden Beinen gefordert. Nach einer kurzen Mittagspause machten sich die Fünfkämpfer auf, ihre Konzentration und ruhige Hände zu beweisen. Dabei war starker und auch böiger Wind der größte Gegner. Schwierige Bedingungen also für einen guten Score. Sehr oft mussten die Schützen am Abschusspflock längere Zeit warten. Danach nicht überhastet den schwächeren Wind auszunützen, erforderte Nervenstärke und einen routinierten Schussablauf. Wie es bei allen Turnieren der prähistorischen Szene üblich ist, gab es in der Schießausrüstung keinen Kunststoff und kein Metall. Das technologische Niveau der Steinzeit eben. Ein Holzbogen mit Natursehne und Holzpfeile mit Spitzen aus Knochen, Horn, Holz oder Stein sind üblich.

Viele Jäger sind des Hasen Tod
Viele Jäger sind des Hasen Tod

Die fünf Runden dauerten rund drei Stunden und windgebeutelt kamen die Jäger am späten Nachmittag zurück zum Wieslerhof. Kaum jemand war mit seinem Score wirklich zufrieden, aber alle hatten die selben, schwierigen Bedingungen. Beim gemeinsamen Abendessen wurden die Abenteuer des ersten Tages ausführlich rekapituliert, in den Erzählungen bildeten sich die ersten Mythen zu den Geschehnissen. Ganz ähnlich wie auch unsere Vorfahren ihre Erlebnisse bildhaft ausschmückten und sich schnell Legenden bildeten.

 

Die ersten vier des Bogenturniers:

1. Anton Brunner       195 Punkte

2. Ansgar Lukas          187 Punkte

3. Gerhard Wiesler     181 Punkte

4. Tim Nickel                180 Punkte   

 

Gesamtstand nach zwei Bewerben:

1. Tim Nickel              262 Punkte

2. Andreas Diehm     257 Punkte

3. Gerhard Wiesler    254 Punkte

4. Ansgar Lukas         242 Punkte

5. Anton Brunner      214 Punkte

6. Verena Mohr         197 Punkte - Unsere einzige Frau im Bewerb, Chapeau!

7. Tom Lukas             191 Punkte

8. Nicolas Puffer        182 Punkte

9. Holger Kartmann   143 Punkte

10. Patrick Trummer  38 Punkte

 

Die ersten vier innerhalb von zwanzig Punkten und der beste Speerschleuderer am Ende der Spitzengruppe versprachen einen spannenden zweiten Wettkampftag. Im Unterschied zu einem normalen Turnier war am Abend des ersten Tages früh Nachtruhe, das Geheule des Windes begleitete alle im Schlaf.

 

Tag 2 - Die Entscheidung

Die Zeitumstellung auf Sommerzeit verkürzte die Nachtruhe um eine Stunde und der erste Blick aus dem Fenster offenbarte den selben starken Wind wie am Vortag. Das versprach für die Speerschleuder nichts Gutes, die langen Speere sind noch viel windempfindlicher als die Pfeile. Aber wieder hatten alle die selben Bedingungen, wenigstens war es das ganze Wochenende trocken und manchmal sogar sonnig.

Männer die nicht auf Ziegen sondern auf Bäume und Grasbüschel in Windrichtung starren.
Männer die nicht auf Ziegen sondern auf Bäume und Grasbüschel in Windrichtung starren.

Bewerb 3 - Das Speerschleuderturnier

Wieder galt es fünf Runden mit zehn Zielen, also insgesamt fünfzig Ziele, zu treffen. Die Wartepausen am Abschusspflock konnten auch den nervenstärksten Jäger verunsichern. Noch zuwarten oder schnell schleudern, diese Entscheidungen mussten von jedem unzählige Male getroffen werden. Windpausen waren, wenn überhaupt, sehr kurz, oft wehte minutenlang starker Wind. Im starken Wind zu schleudern war aber sinnlos, eine Null war da so gut wie garantiert. Viele sind mit der Speerschleuder "Trainingsweltmeister", die Realität beim Turnier lehrt uns dann wieder Demut vor der Schwierigkeit dieser prähistorischen Jagdwaffe.

 

Dier ersten drei mit der Speerschleuder:

1. Ansgar Lukas        123 Punkte

2. Gerhard Wiesler   114 Punkte

3. Nicolas Puffer       80 Punkte

 

Damit ergibt sich folgender Gesamtstand nach drei Runden:

1. Gerhard Wiesler       368 Punkte

2. Ansgar Lukas            365 Punkte

3. Andreas Diehm        323 Punkte

4. Tim Nickel                 322 Punkte

5. Nicolas Puffer           262 Punkte

6. Tom Lukas                259 Punkte

7. Anton Brunner         247 Punkte

8. Verena Mohr            205 Punkte

9. Holger Hartmann    154 Punkte

10. Patrick Trummer      71 Punkte

 

Es bleibt bis zum Schluss spannend. Zwei Bewerbe, bei denen viele Punkte gewonnen oder verloren werden können, stehen noch am Programm.

 

Bewerb 4 - der carry

Die Schlüsselpassage bergauf im Wald bringt jeden in den roten Bereich
Die Schlüsselpassage bergauf im Wald bringt jeden in den roten Bereich

Nach langen Stunden auf den Beinen und vielen zurückgelegten Kilometern gilt es jetzt, die Beute heim zu tragen. Die Parcoursrunde ist dabei mit 25 oder 50kg auf Zeit zu bewältigen. Mit 50kg Zusatzgewicht ergibt eine Zeit von 10 Minuten hundert Punkte, Punkte werden addiert oder abgezogen für jede halbe Minute Differenz. Mit 25kg gibt es nur 50 Punkte für zehn Minuten, es beginnt also ein Taktieren mit Blick auf den Gesamtscore. Schafft man die fünfzig Kilo auch bergauf zu schleppen? Oder ist eine schnelle Runde mit 25kg klüger? Ein großes Körpergewicht ist bei diesem Bewerb sicher von Vorteil, genauso wie die leichteren Teilnehmer beim Berglauf prinzipiell im Vorteil waren. Die Waage spricht am Ende eine eindeutige Sprache: die ersten drei bringen alle über neunzig Kilo Eigengewicht an die Startlinie, die Beine dürfen also mindestens 140 Kilo durchs Gelände wuchten.

 

Die ersten drei des Carry:

1. Nicolas Puffer        125 Punkte

2. Tim Nickel               120 Punkte

3. Gerhard Wiesler    110 Punkte

Tim entspannt nach dem Carry in der Wiese und genießt die frische steirische Bergluft
Tim entspannt nach dem Carry in der Wiese und genießt die frische steirische Bergluft

Letzter Zwischenstand nach vier von fünf Bewerben:

 

1. Gerhard Wiesler        478 Punkte

2. Ansgar Lukas             465 Punkte

3. Tim Nickel                   442 Punkte

4. Andreas Diehm          393 Punkte

5. Nicolas Puffer             387 Punkte

6. Tom Lukas                   304 Punkte

7. Anton Brunner            302 Punkte

8. Verena Mohr               270 Punkte

9. Holger Hartmann       194 Punkte

10. Patrick Trummer      146 Punkte

Bewerb 5 - Feuermachen Grande Finale

Fürs Feuer machen gab es zwei Kategorien: der technisch schwierige Handdrill wurde mit den doppelten Punkten belohnt, es haben sich aber alle Teilnehmer für den Feuerbogen entscheiden. Also standen fünfzig Punkte zur Disposition, das erforderte allerdings eine Flamme in einer Minute. Jede Minute länger minus zehn Punkte, nach fünf Minuten war es zu Ende.

 

Mit Blick auf den Gesamtscore hatte ich also zwei Minuten Vorsprung auf Ansgar und beim Feuermachen kann immer etwas schiefgehen. Weil der Wind immer noch zu stark war, wurde der Bewerb in meine Werkstatt verlegt, die zarten Glutnester waren dort besser aufgehoben. 

Der Hausherr bei der Arbeit in seiner Werkstatt, es raucht schon leicht
Der Hausherr bei der Arbeit in seiner Werkstatt, es raucht schon leicht

Weil niemand freiwillig beginnen wollte, das volle Teilnehmerfeld plus Begleitung waren gespannt versammelt, starteten wir in Reihenfolge des Gesamtstandes. Ich schnappte mir also meine altbewährte Ausrüstung, Haselspindel und Pappelbrett sind da meine Favoriten. Meine Nerven waren angespannt, nach wenigen Sekunden flog die Spindel vom Bogen weg. Kein erfolgversprechender Start. Einmal tief durchatmen und nochmal von vorne beginnen. Schon nach wenigen Sekunden stiegen die ersten Rauchschwaden vom Pappelbrett auf, ruhig bleiben und zur Sicherheit noch zehn ruhige, lange Hübe mit dem Bogen. Dann kompletter Stopp und einige Sekunden nicht bewegen und den Rauch beobachten: wird er weniger oder geht er gar aus oder habe ich ein stabiles Glutnest?

 

Es raucht Gott sei Dank weiter, also kommt der heikelste Schritt. Das winzige Glutnest muss vorsichtig in den Zunder transferiert werden. Wenn die Glut erlischt, heißt es zurück an den Start. Es klappt aber auch mit zitternden Händen gut und jetzt gilt es mit wohldosierten Lufthauch die Glut zu nähren. Hier ist langsam immer besser, der Bewerb verlangt aber Geschwindigkeit und damit Risiko. Ich habe jedes Zeitgefühl in der Konzentration verloren, alle meine Gedanken gelten dem Glutnest im Zunder. 

 

Im Winter sammle ich auf meinen Wiesen feine Grasrispen, diese werden dann sorgfältig getrocknet und ergeben einen tollen Zunder. Jeder hat da seinen eigenen Weg, getrocknetes Heu, Zunderschwamm oder feingeriebene Blätter hab ich schon getestet. 

 

Schnell vermehrt sich der Rauch, erste Funken lassen mich hoffen und wenige Sekunden später züngeln die ersten Flammen auf. Geschafft. Tief durchatmen lässt mich husten, die Werkstatt ist verraucht.

 

Die Zeit ist 1:45, hat sich vieeel länger angefühlt. Damit bin ich von den Punkten her nicht mehr einholbar und ich habe den ersten prähistorischen Fünfkampf gewonnen. 

 

Ergebnis Feuermachen:

1. Gerhard Wiesler     1:45        40 Punkte

2. Ansgar Lukas           3:39        20 Punkte

3. Anton Brunner        4:16        10 Punkte

 

 

Auch unkonventionelle Techniken führen zum Erfolg
Auch unkonventionelle Techniken führen zum Erfolg

Endergenis:

1. Gerhard Wiesler        518 Punkte

2. Ansgar Lukas             485 Punkte

3. Tim Nickel                  442 Punkte

4. Andreas Diehm         393 Punkte

5. Nicolas Puffer            387 Punkte

6. Anton Brunner          312 Punkte

7. Tom Lukas                  304 Punkte

8. Verena Mohr              270 Punkte

9. Holger Hartmann      194 Punkte

10. Patrick Trummer     146 Punkte

 

"Meine Gruppe" beim Speerschleudern
"Meine Gruppe" beim Speerschleudern

Mein persönliches Fazit:

Kein Turnier hat jemals so viel Vorbereitungsarbeit erfordert wie dieser Fünfkampf. Dabei haben mir die positiven Rückmeldungen zu meiner Idee immer wieder Energie und Motivation gegeben. Etwas Neues auszuprobieren ist immer riskant. Es hat sich aber gelohnt, zwischendurch konnte ich den Wettkampf sogar genießen, auch wenn mir das Wetter große Sorgen bereitet hat.  Die gemeinsamen Anstrengungen haben die Gruppe meiner Meinung nach an diesem Wochenende auch auf einer tieferen Ebene verbunden als bei einem normalen Turnier.

 

Um dieses Turnier zu gewinnen, kann man sich keine großen Schwächen in einem Bewerb erlauben. Der Schwerpunkt liegt ganz klar bei Bogen und Speerschleuder, aber ohne ausreichende Fitness ist es zu wenig, nur gut zu schießen bzw. zu werfen. Und Feuermachen will oft geübt sein, um unter Druck erfolgreich zu sein. Das ergibt in Summe eine ausgewogene Mischung. Trotzdem kann jede normal fitte Person mit Freude teilnehmen, es war kein Supersportler unter uns.

 

Es wird 2027 sicher wieder diesen Wettkampf geben und ich hoffe, damit auch Menschen außerhalb der prähistorischen Szene für dieses Format begeistern zu können. Jetzt wissen alle Teilnehmer, was sie bei einem Fünfkampf erwartet, und das Niveau wird 2027 steigen. Mein persönliches Ziel für nächstes Jahr: den Handdrill meistern.

Stimmen zum Turnier:

Für mich war die Teilnahme eine besondere Erfahrung – vor allem, weil der Wettbewerb körperlich sehr herausfordernd war, wenn man es wollte. Man hätte es wahlweise auch deutlich entspannter angehen lassen können, aber ich war sehr motiviert, seit vielen Jahren mal wieder richtig loszulegen.
Umso mehr hat es mich gefreut, dass ich in einigen Disziplinen sogar besser abgeschnitten habe als gedacht.
Gleichzeitig gab es auch Bereiche wie das Speerschleudern und das Feuermachen, in denen ich hinter meinen eigenen Erwartungen geblieben bin – aber genau das macht für mich auch den Reiz solcher Formate aus: sich selbst besser kennenzulernen und dazuzulernen.
Besonders positiv in Erinnerung bleibt mir die hervorragende Organisation durch Gerhard, die Gastfreundschaft seiner Familie und die wirklich tolle Stimmung vor Ort. 
Der Austausch mit den anderen Teilnehmenden hat das Ganze zu einer rundum gelungenen Erfahrung gemacht.
Ich komme wieder!